Joachim Bayer:
Anschauungen zu den Bildern der Natur

Die Natur selber macht sich nicht schön morgens vor dem Spiegel, wie die Menschen. Sie ist schön durch unser Augen, durch unsere Gefühle und Sehnsüchte. Für die Natur gibt es keine Bedrohungen, keine Ängste, kein Wohlbefinden. Sie ist einfach da.

Der Mensch kann das nicht begreifen mit seiner Möglichkeit des Denkens. Es muss doch immer eine Bestimmung geben, einen Sinn. Und so fängt er an, sich selbst einen Sinn zu geben, indem er der Natur Sinn gibt. Wie viele Götter sind erschaffen worden auf dieser Erde?

Für mich besteht der einzige Sinn der Natur darin, lebenserhaltend zu sein. In jeder Beziehung - lebensmitteltechnisch wie inhaltlich. Hat der Mensch vergessen, dass er selbst ein Teil der Natur ist? Warum versucht er die Welt nachzubauen, zu verbessern, seinen Vorstellungen unterzuordnen? Das wird so lange geschehen bis die eigentliche Natur durch eine künstliche ersetzt ist, bis wir selber künstlich sind und das im fortwährenden Kreislauf. Ob das gut für uns ist? Ich sage zynischerweise ja. Dann haben wir unseren Sinn, weiterzuleben, unseren Ehrgeiz, dass wir wichtig sind. Das ist aber nur eine Seite menschlichen Strebens. Die andere, die zweite Seite, ist der große Wunsch, parallel zur Natur zu leben.

Sich nicht immer alles erklären zu können, zu träumen, vorbehaltlos zu lieben, etwas nur zu empfinden. Dadurch entsteht eine Balance, die sehr wichtig ist.

Die Kunst stellt einen Teil für diese zweite Seite des Januskopfes "Mensch" dar. Also auch die Malerei. Über sie selber kann man schwer sprechen. Zu unterschiedlich sind Empfindungen und Aussagen der Betrachter, weil die Malerei auch geistiger Natur ist. Die Experten verirren sich oftmals im Dschungel ihres eigenen, intellektuellen Anspruches und bieten zumeist nur "trockenes Gebäck".

Es ist besser einfach nur zu riechen, zu schmecken, zu hören, zu sehen. Dann kommt etwas, worauf man sich verlassen kann - das eigene Ich und wenn man Glück hat, eine Überraschung!