FEHLFUNKTION
Computer-Kunst



"Die besten Bilder schafft der Zufall, man muss sie dann nur noch entdecken."

 
In diesem Fall handelt es sich um eine Fehlfunktion bei der Interpretation von jpg-Dateien. Entstanden 2001 durch einen Fehler beim CD-Brennen, ein ganzer Ordner mit Stilleben-Fotos ist damals kaputtgegangen. Das blieb zunächst 4 Jahre lang unentdeckt. 2005 habe ich das dann zufällig gefunden bei dem Versuch, meine Digitalfotos zu archivieren, und diese Dateien zu retten. Es handelte sich um Bilder von einer Schale mit Äpfeln, einem Tisch mit gestreifter glänzender Decke und diverses Herbstgebüsch. An sich nicht sehr spektakulär.

Der PC ist bescheiden und sich seiner künstlerischen Genialität nicht bewusst: "Dieses Dokument ist möglicherweise beschädigt. (Die Datei ist möglicherweise abgeschnitten oder unvollständig.) Fortfahren?" fragt er mich.

Manche der Dateien lassen sich aber dennoch öffnen - mit verblüffendem Ergebnis! Bilder von berückender Schönheit entstehen und vermehren sich in Sekundenbruchteilen, bei jedem Öffnungsversuch einer solchen Datei ein neuer Rausch der Farben und Formen. Der Zufall hat mir hier einen Bildgenerator der ganz besonderen Art geschenkt - bei jedem Öffnen entsteht ein anderes Resultat. Es handelt sich also im wahrsten Sinne des Wortes um Computer-Kunst.

Der gedankenlos verwendete Ausdruck CD-"Brennen" erfährt hier eine ganz eigene Manifestation. So sieht das also aus, wenn ein digitales Feuer die übereinander liegenden Fotos zum Teil miteinander verschmilzt und die Farbpigmente - die Pixel - von einem ins andere Bild diffondieren.

Seitdem vertreibe ich mir manchmal eine Nachtstunde mit meinem Zufallsgenerator und seinen rauschhaft schönen Bildern. Die besten davon habe ich per Screenshot gesammelt, und will sie hier zeigen.

Die beteiligten Künstler waren: ein inzwischen recht betagter Mac G4, ein mittlerweile uralter Brenner von Sony nebst Brennsoftware Toast, ganz wichtig: ein verwendeter Noname CD-Rohling, sowie Adobe Photoshop als Öffner und Interpretor der angeschlagenen JPGs. Im übrigen habe ich keine Ahnung, was hier technisch eigentlich genau passiert. Die Fachleute würden das wahrscheinlich wissen. Mir ist es relativ egal. Ich hoffe nur, dass dieses wunderbare Spielzeug noch lange läuft. Dazu die Musik von Laurie Anderson.

Irene Walz, 2005
 
 

 
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